Keine Angst vor Technik

Von Technikfeindlichkeit kann in Deutschland keine Rede sein. Das gute Ansehen der chemischen Industrie wird durch die Umweltproblematik getrübt. Die junge Generation ist gegenüber der Technik aufgeschlossen.
Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Studie, die der Dortmunder Techniksoziologe Johannes Weyer im Auftrag der Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie (CSSA) erstellt hat. Für Klaus West, Geschäftsführer der CSSA, gab es zwei Gründe, um die Studie in Auftrag zu geben: eine andauernde kritische Diskussion über die Bedeutung des Industriestandorts Deutschland und die verbreitete Annahme, die Deutschen seien mehrheitlich technikfeindlich. Beides sollte überprüft werden.
Nüchtern und skeptisch
Für die Studie werteten Professor Johannes Weyer und sein Forschungsteam repräsentative Studien über Technikakzeptanz aus, machten eine Meinungsumfrage und führten Intensivinterviews.
Dabei zeigte sich, dass die Deutschen gegenüber Wissenschaft und Technik keineswegs feindlich einstellt sind. Sie sind nur etwas nüchterner, differenzierter und teilweise skeptischer als andere europäische Nationen. Die Chemie-Branche gilt als zukunftsträchtiger und gut zahlender Industriezweig. Diese Trümpfe werden von der Umweltproblematik jedoch teilweise zunichte gemacht. Die chemische Industrie hat eine „Achillesferse“, und das ist die Gentechnologie.
Die Antworten der Befragten zeigen zwei Widersprüche: einer faktisch nicht existenten persönlichen Betroffenheit durch Umweltauswirkungen der Chemie-Industrie steht ihr Image als Umweltsünder gegenüber. Laut Weyer spricht „viel für die Vermutung, dass das negative Image zum Teil medial vermittelt ist.“ Zweitens gilt die Chemie-Industrie zwar als Zukunftsbranche, aber nur 12,6 Prozent aller Befragten wollen dort arbeiten – was nur ein mittelmäßiger Wert ist.
Junge Generation ist aufgeschlossener
Die Studie nimmt besonders die Generation junger Erwachsener ins Blickfeld. Sie steht der Technik aufgeschlossen gegenüber. Die Jugend hat signifikant höhere Akzeptanz-Werte als die „Tschernobyl-Generation“. Wer bereits in der Industrie gearbeitet und dort positive Erfahrung gemacht hat, akzeptiert sie weitaus mehr als Personen ohne derartige Erfahrungen. Professor Johannes Weyer empfiehlt der Chemie-Industrie wie auch anderen Branchen, darüber nachzudenken, wie man jungen Menschen derartige Erfahrungen vermitteln kann; und er legt ihr nahe dem Bedürfnis der Bürgerinnen und Bürger nach Transparenz nachzukommen. Schließlich „braucht Industrie Akzeptanz – aber Akzeptanz braucht auch Industrie“.

